Osteopathische Körperarbeit

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Craniosacraltherapie

Das osteopathische Konzept wurde in seinen Grundzügen von A.T. Still, einem amerikanischen Arzt, im Jahre 1874 entwickelt. Er lernte einen Großteil seiner medizinischen Fähigkeiten nicht während des Studiums, sondern durch die Beobachtung erfahrener Kollegen, durch seinen Vater, der als Arzt und Missionar bei den Indianern tätig war sowie sog. Bonesettern auf den Jahrmärkten. Das Hauptinteresse von Still galt der Bedeutung des Bewegungsapparates, deshalb prägte er den Begriff Osteopathie (griech. Osteon Knochen und Pathos Leiden). Dieses Konzept umfasste ein ganzheitliches Behandlungsmodell. Er versuchte durch Manipulationstechniken an der Wirbelsäule Funktionsstörungen in allen Körperbereichen zu behandeln und das Körpergleichgewicht als primäres Behandlungsziel wiederherzustellen. Dies stieß auf den Widerstand des schulmedizinischen Berufsstandes. Bald entstanden aber osteopathische Colleges in den ganzen Vereinigten Staaten, deren Abschluß noch heute in den Staaten gleichrangig wie ein ärztlicher Abschluß akzeptiert wird.

Die Osteopathie besteht aus vier Hauptsäulen: Craniosacraltherapie, Viscerale Manipulation, Myofasciale Release Techniken und die Perineuralen Mobilisationstechniken. Im Jahre 1922 entdeckte W. Sutherland im Rahmen seines Osteopathiestudiums durch Zufall eine Art „Pulsation“ dam Schädel. Ihr Rhythmus war nicht synchron mit Puls oder Atem und trat ca. 12 mal pro Minute auf. Weitere Untersuchungen führten ihn zu dem Schluß, dass der Schädel an seinen Nähten eben nicht verknöchert ist, sondern Druckschwankungen entstehen. Diese pflanzten sich seiner Meinung nach entlang der Wirbelsäule auf das Becken fort. Er führte diese Spannungsveränderungen auf die Eigendynamik der Nervenzellen sowie auf die Bewegungen der Hirnflüssigkeit zurück. Die Craniosacraltherapie konnte sich über 50 Jahre hinweg behaupten, obwohl ihr die notwendigen Forschungsgrundlagen fehlten. Ihr theoretischer Unterbau und ihre Behandlungstechniken basierten ausschließlich auf seiner Arbeitshypothese. Der Behandlungserfolg der Therapie erhielt diese Methode am Leben und rückte sie ab den 70iger Jahren in den Vordergrund wissenschaftlicher Untersuchungen, v.a. auf dem Gebiet der Anatomie und Biomechanik. Es gelang nicht nur, die Druck-schwankungen der Schädelknochen nachzuweisen, sondern es wurde auch der „Antriebsmotor“ des craniosacralen Systems entdeckt. Es gibt in dieser Therapie sicher noch viele therapeutische Erfolge, die bis heute nicht wissenschaftlich geklärt und trotzdem nicht wegzudiskutieren sind. Das craniosacrale System steht in enger Beziehung zum Nerven-, Atem-, Endokrin- und Immunsystem. Störungen innerhalb des Systems können verschiedene Ursachen haben wie Geburtsprobleme, Unfälle, Organdysfunktionen usw. Der Anwendungsbereich ist entsprechend vielfältig, angefangen von Verhaltens-, Lern- und Entwicklungsstörungen bei Kindern wie auch bei Kopfschmerzen oder Rückenproblemen in jedem Alter. Durch Tastung werden Störungen in der craniosacralen Bewegung festgestellt. Die Behandlung ist sanft und zielt auf die Auflösung von Spannungen und Fehlstellungen des Schädels sowie der übrigen Körperstrukturen mit kleinen und exakten Impulsen. Durch diese feinen Impulse wird eine Lösung von Fixationen fester Körperstrukturen ermöglicht.

Viscerale Osteopathie

Der osteopathischen Behandlung liegt folgende Idee zugrunde: Jede Beweglichkeitsänderung im Bewegungsapparat im Sinne einer Hypo- oder Hypermobilität führt zu einer Funktionsstörung, die wiederum ein Krankheitsbild auslösen kann. Durch den Bewegungsverlust wird die Durchblutung der betroffenen Gewebe vermindert. Diese Hypämie kann sich bis zur Ischämie steigern. So können Irritationen, Entzündungen und Infektionen aufgrund einer Minderdurchblutung entstehen. Für eine optimale Funktion des menschlichen Körpers ist es notwendig, dass sich die vier Hauptsysteme des Körpers im Gleichklang befinden. Zu diesen Systemen gehören: parietales System (Funktionsstörungen des Bewegungsapparates), Viszerales System (Mobilität und Funktion der inneren Organe), Craniosacrales System (Bewegungsverbund der Schädelnähte und der Iliosacralgelenke) und Psyche. Diese Systeme stehen untereinander in einem funktionellen Gleichgewicht. Die Faszien sichern einen funktionellen Zusammenhang zwischen dem Bewegungsapparat, dem visceralen System und den verschiedenen Systemen im Körper. Ist ein System gestört, tritt sofort ein Ungleichgewicht ein, wodurch die anderen Systeme beeinflusst werden. Z.B. Darmprobleme können infolge psychischer Störungen entstehen (der Darm als Spiegelbild des Inneren), Leberfunktionsstörungen können Einfluß auf das rechte Schultergelenk nehmen und als Schmerzen und Funktionsstörungen auftreten, Schluckbeschwerden können durch Blockierungen der Halswirbelsäule verursacht werden oder Blockierungen in der Brustwirbelsäule verantwortlich sein für Nierenfunktionsstörungen. Diese gegenseitige Einflußnahme und Abhängigkeit verschiedener Funktionskreise voneinander ist seit langem bekannt. So sind Haut, Muskulatur, Gelenke und innere Organe durch den Einstrom von Informationen in das Hinterhorn des Rückenmarks miteinander verknüpft. Die Störung eines inneren Organs löst eine Haut- und Muskelzone aus und kann ebenso eine Wirbelblockierung hervorrufen.

Die viscerale Behandlung, die auf einem gleichartigen Verbund der oben genannten vier Hauptsysteme beruht, bedient sich zur diagnostischen Präzisierung des betroffenen inneren Organs daher auch der Aussagen des geschilderten segmentalen Verbundes. Ziel ist die Normalisierung der Bewegungsstörung am erkrankten Organ durch Lösen von Verklebungen, Wiederherstellung der faszialen Elastizität und Entspannung der viszeralen Spasmen. Durch die Wiederherstellung der Organmobilität durch Beseitigung von Fixationen und Verklebungen wird die Durchblutung verbessert, die Lymphzirkulation gefördert, der Stoffwechsel normalisiert, Muskelverspannungen beseitigt, der Hormonhaushalt verbessert, Wirbelblockierungen verhindert und ein positiver Einfluß auf die Psyche genommen. Die Organposition kann allerdings nicht geändert werden.

Osteopathie und Zahnmedizin

Schmerzursachen sollten in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Störungen in der Funktion der Wirbelsäule und der Kiefergelenke beeinflussen sich häufig gegenseitig. So können  Nacken- und Schulterbeschwerden , Kopf- und Gesichtsschmerz sowie Bewegungseinschränkungen der Kiefergelenke entstehen, die anderen Symptomen wie Tinnitus und Gleichgewichtsstörungen den Weg ebnen. Diese Beschwerden gehen oft auf Verknüpfungen im Körper zurück, die nur verstanden werden können, wenn man  den menschlichen Organismus als Einheit betrachtet.
Unter Krankheit versteht die Osteopathie die gestörte Fähigkeit des Organismus zur Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts seiner Körperfunktionen. Die Osteopathie behandelt deshalb nicht die Symptome, sondern unterstützt den Organismus in seinem Bestreben, Störungen selbständig zu beseitigen.
Darum ist es wichtig,  die  Zusammenhänge der gestörten Funktion von Muskel- und Gelenkketten zu erkennen und zu behandeln. Dies ist oftmals nur in Zusammenarbeit mit einem Zahnarzt oder Kieferorthopäden möglich, da gleichzeitig eine Korrektur der Bissverhältnisse ggf. erfolgen muß.

 

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